Die Jury


Der Jury gehören an:


Urs Allemann | Lyriker, Literaturkritiker

Dr. Maren Jäger | Literaturwissenschaftlerin, Literaturkritikerin

Cornelia Jentzsch | Literaturkritikerin

Johann P. Tammen | Lyriker, Erzähler, Essayist, Herausgeber, Literaturkritiker

Beate Vilhjalmsson | Bürgermeisterin, Vorsitzende der Jury

Norbert Wehr | Herausgeber der Literaturzeitschrift Schreibheft, Literaturkritiker

Jury 2019
Foto: © Presseamt Münster/Britta Roski

(v.l.) Kulturdezernentin Cornelia Wilkens und Kulturamtsleiterin Frauke Schnell mit der Jury: Cornelia Jentzsch, Norbert Wehr, Urs Allemann, Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson und Dr. Maren Jäger. Johann P. Tammen nahm per Telefon an den Beratungen teil.


Begründung der Jury

„Der russisch-amerikanische Autor Eugene Ostashevsky und seine deutschen Übersetzerinnen Monika Rinck und Uljana Wolf erhalten den Preis für Internationale Poesie und Übersetzung der Stadt Münster 2019 für den 2017 im Verlag kookbooks erschienenen Band Der Pirat, der von Pi den Wert nicht kennt (The Pirate Who Does Not Know The Value of Pi)

Eugene Ostashevsky, 1968 in Leningrad geboren, emigrierte mit seinen Eltern 1979 in die USA und wuchs dort zweisprachig auf. Er lehrt heute Literatur an der New York University, ist Mitglied des Schriftstellerkollektivs 9x9 Industries und der Performance-Künstlergruppe Vainglorious. Neben einer Anthologie OBERIU: An Anthology of Russian Absurdism (2006) und weiteren Übersetzungen aus dem Russischen (u.a. von Alexander Vvedensky) und Italienischen hat er mehrere Gedichtbände und Chapbooks veröffentlicht.

Mit der Verleihung des Preises an Ostashevsky und seine deutschen Übersetzerinnen würdigt die Jury die polyphone und polyglotte Sprachakrobatik und den Formenreichtum eines Autors, der virtuos alle Gattungsregister zieht – von Kinder- und Piratenlied über Traktat und Ballade bis zu Hip Hop und Rap. Er kombiniert und arrangiert rhapsodisch lyrische wie prosaische Fragmente aus unterschiedlichen Sprachen, Sprachstufen und Sprachsystemen, teils ironisch gebrochen, entstellt oder zerlegt – aber immer mit Wort(aber)witz und Wucht: ein veritabler Piratenschatz immer neuer Rhythmen und Reime. Wer will, kann in dem enzyklopädisch-gelehrten Band ein dichtes Verweisnetz literarischer und (sprach-)philosophischer Zitate und Referenzen entdecken, Abhandlungen über Papageien in Natur- und Geistesgeschichte, dialogische Einlassungen in Piraterie und (mathematische) Logik, Sprach- und Erkenntnistheorien, Verstehen und Missverstehen, Multilingualität und (sprach-)kulturelle Identität – oder einfach einen hinreißend absurden poetischen Dialog eines Seeräubers und seines Papageien belauschen.

Ein Glücksfall für den Dichter und seinen Band sind seine Übersetzerinnen Monika Rinck und Uljana Wolf, die neben ihren Übersetzungen v.a. ungarischer und angloamerikanischer Lyrik eine Vielzahl eigener Gedichtbände vorgelegt haben und beide u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet wurden. Die beiden haben dem sprachspielerischen Parforceritt Ostashevskys mit einem Höchstmaß an Geist und Witz die Tore der deutschen Sprache geöffnet. Papageienhaft ist diese Übertragung höchstens insofern, als sie von den rechten Buchseiten zweistimmig einredet, zurückspricht und mitspielt und damit den karnevalesken Impetus Ostashevkys aufs Schönste spiegelt – oder dort, wo sie zum Scheitern verurteilt ist, dieses Scheitern an den Grenzen der Übersetzbarkeit kunstvoll zelebriert.“