Das Lyrikertreffen Münster gehört seit 1979 zu den herausragenden internationalen Kulturereignissen in Münster.
Das Kulturamt der Stadt Münster richtet das Literatur-Ereignis im Biennale–Rhythmus aus. In Lesungen, Vorträgen
und Gesprächen werden Begegnungen zwischen Publikum, Lyrikerinnen und Lyrikern, zwischen Literaturwissenschaft
und Literaturvermittlung ermöglicht.
Im Rahmen des Festivals wird seit 1993 der "Preis der Stadt Münster für europäische Poesie" verliehen.
Ausgezeichnet werden damit ein international rezipierter Lyrikband und dessen eigenständige Übersetzung.
Anlässlich seiner zehnten Verleihung 2011 wurde der „Einzugsbereich“ des Preises über die Grenzen Europas
hinaus erweitert. Unter dem neuen Titel „Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie“ kann er auf die
politische Globalisierung eine weltliterarische Antwort geben.
Der italienische Dichter Andrea Zanzotto ist tot. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag (18.10.) berichtete,
starb der norditalienische Lyriker im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus in Conegliano bei Treviso.
1993 wurde Zanzotto mit dem „Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie“ für seinen Gedichtband „Lichtbrechung“
ausgezeichnet. Er war damit der erste Lyriker, der diese Auszeichnung der Stadt Münster erhielt.
Lange als Lehrer und Kritiker tätig, machte Andrea Zanzotto sich schon Anfang der 1950er Jahre als Lyriker einen Namen.
Unter anderem erntete er das Lob seiner Lyriker-Kollegen Eugenio Montale und Giuseppe Ungaretti. In deutscher
Sprache erschienen unter anderem seine Gedichtbände «Dietro il paesaggio» (Hinter der Landschaft) von 1951, «La Beltà»
(Pracht) von 1968 und «Sovrimpressioni» (Überblendungen) 2001.
Zanzotto, Sohn eines Miniaturen- und Landschaftmalers, studierte von 1938 bis 1942 in Padua Literatur, bevor er
sich nach dem Waffenstillstand 1943 dem italienischen Widerstand anschloss. Seine Erlebnisse als Partisan - wie etwa
die Verwüstung seines Heimatdorfes Pieve di Soligno durch deutsche Truppen - prägten maßgeblich nicht nur sein Leben,
sondern auch sein späteres literarisches Schaffen.
Zum Lyrikertreffen 2009 verfasste Hermann Wallmann, künstlerischer Leiter des Internationalen Lyrikertreffens Münster,
den folgenden Pressetext über Tomas Tranströmer. Aber da konnte er noch nicht wissen, was für eine Sternstunde der Poesie
und der Übersetzung von Poesie es im Kleinen Haus der Städtischen Bühnen Münster geben werde.
Tomas Tranströmer wurde mit
dem Rollstuhl auf die Bühne befördert, und mit seinem Handstock grüßte er das Publikum. Seine Frau und Kjell Espmark
lasen die schwedischen und die (von Hanns Grössel übersetzten) deutschen Gedichte.
Nun hat sich Wallmanns Einschätzung, Tranströmers Lebenswerk sei nobelpreiswürdig, glanzvoll bestätigt.
Vor zehn Jahren sind "Sämtliche Gedichte" von Tomas Tranströmer erschienen, Lyrik aus 45 Jahren, ein
nobelpreiswürdiges Lebenswerk von knapp 250 Seiten, und vor vier Jahren hat es noch einmal einen Gedichtband gegeben
mit dem Titel „Das große Rätsel“, wiederum in der Übersetzung von Hanns Grössel. Viele Gedichte dieses Bandes lehnen
sich an die Form japanischer Haikus an. In einem von ihnen findet sich die Zeile, die der Ausstellung eines (in Münster
bei Kleinheinrich erschienenen) Künstlerbuches mit Gedichten von Tomas Tranströmer und Bildern von Peter Frie ihren Titel
gibt:
„Geh still wie ein Regen,
triff auf das flüsternde Laub.“
Was Tomas Tranströmer, geboren 1931 in Stockholm (seit 1990 durch einen Schlaganfall sprachlich beeinträchtigt),
in dem Gedicht "Morgenvögel" über das Verfertigen von Gedichten gesagt hat, gilt vice versa auch für die Leseerfahrungen,
die seine Lyrik vermittelt:
"Phantastisch zu spüren, wie mein Gedicht wächst,
während ich selber schrumpfe.
Es wächst, nimmt meinen Platz ein.
Es verdrängt mich.
Es wirft mich aus dem Nest.
Das Gedicht ist fertig."